Psychologiestudium – erstes Semester: Inhalt & Erfahrung

Unglaublich viele Stunden dieses Jahres habe ich mich mit der Frage beschäftigt, was ich denn nun wirklich endgültig studieren soll. Psychologie, Architektur oder doch Kunst? Wie kann man so eine grundlegende Entscheidung mir, einem doch so jungen Mädchen, stellen? – der Gedanke ist mir in meiner Verzweiflung nicht nur einmal durch den Kopf spaziert. Und ganz plötzlich kam dann doch eins zum anderen und es sollte also nach unglaublich langem hin und her Psychologie sein. Und das ist mehr als gut so! Ich bin in diesem ersten Semester so zufrieden, wie ich mir es nur in meinen Träumen ausgemalt habe. Man muss leider dazu sagen, dass es nicht allen meinen Kommillitonen genauso ergeht (also scheint Psychologie auch nicht auf alle zu passen, und bei allen diesen Eindruck zu erwecken , aber, damit du weißt, wie das erste Semester eines Psychologiestudiums strukturiert ist und wie ich das Ganze erlebt habe, möchte ich dir jetzt einen kleinen Einblick in mein Studienfach geben.

 

Bevor es losgeht möchte ich dich aber unbedingt noch vorwarnen, dass das Psychologiestudium in jeder Stadt und an jeder Uni (zumindest hier in Deutschland) anders aufgebaut zu sein scheint. Das bedeutet: Unterschiedliche Schwerpunkte aber auch unterschiedliche Abläufe des Studiums. Nicht jedes erste Semester eines Psychologiestudiums läuft also exakt so ab, wie meines. Meine Grundintention liegt jedoch darin, dir nur einen kleinen Eindruck eines frisch gebackenen Erstis ins (klinische) Psychologiestudium zu geben, wobei der vorangeführte Aspekt vermutlich nicht allzu hinderlich ist.

 

Fächer

Ich zähle hier nur meine Pflichtfächer auf, und werde diese kurz erläutern.

 

Statistik

Das Fach, was wohl die meisten von einem Psychologiestudium abschreckt und auch die Psychologiestudenten selber nicht selten Falten auf der Stirn bekommen lässt. Meiner Meinung nach zumindest bisher ziemlich unbegründet. Fairerweise sollte man dazu allerdings sagen, dass ich Mathe schon in der Schule wirklich gerne mochte. Aber auch um die Mathephobiker unter euch zu beruhigen: Mit hoher Mathematik hat der Anteil an Statistik, den man im ersten Psychologiesemester behandelt, meiner Meinung nach nichts zu tun. Man muss nur mit Ruhe und möglichst unvoreingenommen darangehen, dann wird das schon. Für diejenigen, denen Statistik nicht viel sagt: In Statistik lernt man mit Daten, Studien oder zum Beispiel auch Wahrscheinlichkeiten umzugehen.

 

Sozialpsychologie

Das Fach, welches ich am meisten mit meiner persönlichen Vorstellung von Psychologie in Verbindung bringe. Hier lernen wir zum Beispiel, warum sich Menschen in Gruppen so verhalten und so agieren, wie sie es tun. Oder was uns dazu bewegt, Menschen zu helfen oder nicht zu helfen…was aggressives Verhalten ist und impliziert. Unglaublich spannend und auch sehr interessant in dem Sinne, dass man das Gelernte auf sich und sein Umfeld beziehen kann. Aber leider auch eine wahnsinnige Flut an auswendig zu lernenden Experimenten. (Mir graut es jetzt schon davor! :D)

 

Allgemeine Psychologie

In der allgemeinen Psychologie behandeln wir einen Bereich, den ich in dieser Form gar nicht in einem Psychologiestudium erwartet hätte. Nämlich geht es hier um eine besondere Form von Physik – der, wer hätte es vermutet, Psychophysik. Lasst euch von diesem Begriff nicht erschrecken, falls ihr euch schon früh und ohne weinendes Auge in der Schule von Physik verabschiedet habt. Der Inhalt ist wirklich nicht zu kompliziert und darüber hinaus noch ziemlich interessant, da unter anderem auch altbekannte Thematiken wie Kippbilder und andere optische Funktionen beleuchtet und erklärt werden.

 

Biopsychologie

Eines meiner völlig unvorhergesehenen Favoriten. Biopsychologie ist sicher für viele etwas, die sich sonst auch für Medizin und besonders für das Gehirn des Menschen interessieren. Auf biologischer Ebene werden Vorgänge wie das Sehen, Hören und Riechen beschrieben. Ein grundlegender Aufbau des Gehirns und das Funktionieren der Nervenzellen, sowie der Informations- bzw. Reizübertragung sind auch Thema. Ich habe den Eindruck, dass Biopsychologie relativ umfangreich ist, aber ich finde, das Lernen zahlt sich wirklich aus, da man mit wirklich spannendem Input konfrontiert wird.

 

Techniken wissenschaftlichen Arbeitens

Als Studenten haben wir uns ausgesucht ein Fach ausgiebig zu studieren, und da gehört wohl oder übel auch die Verfassung einer Bachelor- bzw. Masterarbeit dazu. Und damit einem beim Zitieren, beim Anlegen eines Literaturverzeichnisses keine Fehler unterlaufen gibt es dieses Fach. Außerdem haben wir gelernt, was es mit Idealismus und Realismus, sowie Empirismus und Rationalismus auf sich hat. Dazu haben wir von unserem Dozenten einen Einblick in die Geschichte der Psychologie erhalten.

 

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Seminare und Tutorien

Erst einmal, falls du noch nicht studierst: Seminare sind sozusagen kleinere Kurse, die eher dem Unterricht in der Schule ähneln, bei dem der Inhalt auch von mündlichen Beiträgen lebt und nicht, wie in den Vorlesungen, von einer Art langem Vortrag.

Tutorien kann man sich wie eine Art Nachhilfe geleitet von oberen Semester vorstellen, bei dem der Inhalt der Vorlesungen aufgearbeitet und Aufgaben dazu gerechnet werden. Mit dem einzigen Unterschied, dass du nicht alleine diese Nachhilfe nimmst, sondern bei mir zum Beispiel mit dreißig anderen. (von der Anzahl her, ähnlich wie ein Seminar)

Ich habe in meinem ersten Semester ein Statistik Seminar sowie ein Statistik Tutorium. Und was womöglich auf größeres Erstaunen trifft (so auch bei mir): Ich habe ein Datenanalyse Seminar, bei dem ich lerne zu programmieren, um später eigene Daten am Computer auswerten zu können. Ist das nicht cool? Zugegeben, als Technik-Banause ist das für mich eine ganz schöne Herausforderung, aber auch eine willkommene Abwechslung und wer braucht nicht mal von Zeit zu Zeit eine kleine Herausforderung?

 

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So, meine Lieben, das ist es also; mein erstes Semester im Psychologiestudium. Zumindest inhaltlich gesehen. Hier sind noch einige Fragen, die ich mich selber vor dem Studium gefragt habe oder aber, die mich Aussenstehende öfters fragen, mit Antworten, die ich nun geben würde:

 

Was muss man mitnehmen für ein Psychologiestudium?

Leider auf Grund der großen Bewerberzahl einen sehr guten NC oder eben viele Wartesemester. Ansonsten bist du mit viel Interesse und Begeisterung aber bestens ausgestattet!

 

Ist ein Psychologiestudium viel Aufwand?

Ich kann zwar nur etwas zum ersten Semester sagen, aber ich muss schon sagen, dass der Lernaufwand nicht mit dem Lernen für das Abitur zu vergleichen ist… (ja, da haben die größeren Geschwister mit ihren angstmachenden Horrorstories von Lernmarathons  sogar leider wirklich recht mit, aber lass dich nicht unterkriegen!)

 

Was kann man mit einem abgeschlossenen Psychologiestudium anfangen?

Entgegen der häufigen Erwartung wird man nicht direkt zum Psychologen oder zur Psychologin, dafür müsste man dann noch nach dem Master eine kostenintensive Ausbildung zum Psychotherapeuten anhängen. Außerdem kann man jedoch auch zum Beispiel in die Forschung gehen oder in die Wirtschaft und in Unternehmen arbeiten.

 

Wenn Psychologie so einen hohen NC hat, ist es dann auch anspruchsvoller, als andere Studiengänge?

Zwar habe ich keinen Vergleich, aber grundsätzlich muss man einfach sagen, dass hohe NC’s auf eine große Bewerberzahl zurückzuführen sind, und nicht, weil diese Studiengänge nur für überintelligente Menschen konzipiert wurden. Lass dich davon nicht abschrecken! Psychologie ist unter diesem Gesichtspunkt gesehen ein Fach, wie jedes andere! Abgesehen von der Antizipierung des Maßes an Anspruch und Aufwand mit dem NC (der ja wie gesagt kein guter Indikator dafür ist) muss ich persönlich aber schon sagen, dass besonders jetzt im ersten Semester wirklich viel Inhalt auf einen zukommt.

 

 

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen, und vielleicht kannst du nun ein wenig besser erahnen, ob ein Psychologiestudium für dich in Frage kommt. Oder aber ich konnte dir einfach nur einen kleinen Einblick geben, womit man sich als Psychologie-Ersti so rumschlägt. 😀  Ich drücke dir ganz fest die Daumen und kann dir nur raten, an dich und deine Fähigkeiten zu glauben!

 

 

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